Grußwort

Gemeindebrief Februar / März


Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Dinge, die gehören einfach ganz selbstverständlich zum Leben dazu:
atmen, essen und trinken, arbeiten und schlafen zum Beispiel. Normalerweise denken wir darüber gar nicht groß nach. Wir atmen eben. Wir essen halt. Erst wenn etwa krankheitsbedingt solch ein grundlegender Vorgang nicht mehr funktioniert, machen wir uns Gedanken darüber und suchen Hilfe. Auch dass wir miteinander reden, gehört zu diesen elementaren Lebensäußerungen. Ließen wir das eine oder andere weg, würde uns etwas fehlen, könnten wir im Extremfall gar nicht mehr weiterleben.
Ich behaupte jetzt einfach mal: auch das Beten ist solch ein Grundpfeiler unserer Existenz.
So wie wir gesundes Essen und Trinken für unseren Körper brauchen, benötigen wir genauso den regelmäßigen Kontakt zu Gott für die Gesundheit unserer Seele.
Wenn wir beispielsweise beim Abendgebet den zu Ende gehenden Tag noch einmal Revue passieren lassen, dann hat das unter Umständen dieselbe reinigende Wirkung wie das Schreiben eines Tagebuches oder das Gespräch mit einem verständigen Menschen.
Oder wenn wir beim Tischgebet Gott für seine Gaben danken, dann machen wir uns bewusst, was wir täglich alles geschenkt bekommen und dass wir nicht alles selbst machen können oder alles einfach selbstverständlich ist. Wir erweitern unseren Horizont im Gebet. Wir haben eine Anlaufstelle für unsere Sorgen und Probleme. Und eine wunderbare Möglichkeit, etwas für andere Menschen zu tun – nicht zuletzt dann, wenn wir mit unseren sonstigen Möglichkeiten an eine Grenze gekommen sind.
So finde ich es auch sehr schön zu wissen, dass es Menschen gibt, die es sich ganz gezielt zur Aufgabe gemacht haben, für andere zu beten. Darauf hat mich mal ein Mönch hingewiesen, der sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen musste, er tue ja nicht sehr viel für die Allgemeinheit hinter seinen geschützten Klostermauern. Von wegen!
Und wenn wir sonntags in der Kirche das Vaterunser miteinander beten, mache ich mir immer wieder gerne bewusst, dass an diesem Tag – womöglich sogar zur selben Minute – Millionen anderer Menschen dieses Gebet in den Himmel schicken. Wir sind dann eine ganz große Solidargemeinschaft.

So wie das am 2. März, dem Weltgebetstag, auch wieder sein wird, wenn über alle Erdteile hinweg Menschen nach einer Liturgie beten, die Frauen aus Malaysia vorbereitet haben.
Ob unsere Gebete tatsächlich etwas bewegen – darüber scheiden sich die Geister. Einen Wunscherfüllungsautomatismus gibt es jedenfalls nicht. Und immer wieder sind wir auch enttäuscht, wenn unsere dringenden Bitten nicht erfüllt werden – nicht so, wie wir es uns vorgestellt hatten.
Ich glaube trotzdem an die Kraft des Gebets. Und wünsche Ihnen und euch auch im neuen Jahr viele gute Erfahrungen damit.
 
Christian Lorösch