Er denkt an sein Erbarmen
Evangelisches Bezirkskantorat mit hochklassigen Konzerten
Festliche Chormusik zum Advent
Walcker weckt landsmannschaftliche Gefühle
Heidelberger Jazzchor in der Martinskirche
Neues Unterrichtsfach "Orgel" an der Musikschule
Fast aus dem Leim gegangen
Konzert Stadtkapelle
Später Schumann, früher Bach
Orgelrenovierung hat begonnen
Frohlocke, Welt, dem Tod entwunden
Festlicher Glanz in die Abendstunden getragen
Fünf badische Orgeln im direkten Vergleich
Demokratische Prinzipien und gemeinsamer Orchesterklang
Orgelmusik zur Marktzeit
Alte und neue Musik auf der Martinskirchenorgel
Religiöse Andacht mit ergreifender Tiefenwirkung
Entspannte Konzertatmosphäre
Kinderchor Alleenschule
Glanzvoller Auftakt - Bezirkskantor Ralf Sach feiert Einstand
Mit Weihnachten ins neue Jahr
Weihnachtskonzert Liederkranz

Der Kirchheimer Liederkranz unter der kompetenten Leitung von Professor Rolf Hempel, noch verstärkt durch Sangesfreunde des „Esslinger Liederkranzes“, bot an diesem Abend musikalisch Besinnliches mit deutlich adventisch-weihnachtlichem Touch, aber auch diverse, dem jüngeren Publikumsgeschmack geschuldete Ansätze zum „Crossover“.
Bezirkskantor Ralf Sach, der sich sowohl an der Orgel als auch am E-Piano hervortat, gestaltete den Programmauftakt mit dem Einleitungssatz von Georg Friedrich Händels Orgelkonzert F-Dur. Dabei charakterisierten feine dynamische Akzentuierungen, differenzierte Registrierung und technische Brillanz der rechten Hand bei schwierigen, perlend fließenden Sechzehntelläufen sein Spiel. Die „konzertante Eröffnung“ gestaltete der Gemischte Chor im Rücken der Zuhörer von der Empore aus. Dadurch wurde zwar das optische Erlebnis etwas gemindert, doch wirkte sich die Nähe von Chor und begleitender Orgel für den Gesamtklang sicher qualitätsfördernd aus.
Auf das „Sanctus“ von Wolfgang Amadeus Mozart mit fein platzierten Orgeleinwürfen und imposantem Zusammenklang folgte mit dem „Dona nobis pacem“ aus der Krönungsmesse von Mozart in einem Satz für Chor und Orgel ein kleiner Höhepunkt des Konzertabends. Ein zwischen den einzelnen Chorstimmen und der Orgel fein abgestimmtes Wechselspiel und die saubere Bewältigung des kanonisch verschachtelten Chorsatzes waren ein besonderer Glanzpunkt.
Darauf folgte das erste instrumentale Intermezzo des Celloquartetts „Cellini“, bestehend aus vier blutjungen Cellisten der Freien Musikschule Engelberg (Michael Schmitz, Marian Wind, Valerian Cimniak und Daniel Villwock), die Landes- und Bundespreisträger bei „Jugend musiziert 2008“ waren. In „La poesia“ von Saverio Mercadante, „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach und dem „Traurigen Lied“ von Dimitri Schostakowitsch blitzte ihr bereits erstaunlich entwickeltes tongestaltendes und technisches Vermögen nicht nur einmal auf.
Mit dem anschließenden Programmblock von sechs „Weihnachtlichen Liedern“ in „a cappella“-Satz oder in Begleitung mit E-Piano (Ralf Sach) sollten die Hörer musikalisch auf Advent und Weihnachten eingestimmt werden. Dazu erfolgte der Umzug des Chors vor den Altar frontal zum Publikum, was sich auf die Direktheit des Chorklangs günstig auswirkte.
Mit dem von Norman Luboff arrangierten „Amen“ wehte plötzlich ein Hauch von veritablem „gospel feeling“ durch den sakralen Raum der Martinskirche. Schon bei der eigenwilligen, jazzig swingenden Introduktion von Ralf Sach war man als Zuhörer geneigt, fast körperlich mit der Musik mitzugehen. Dieses Gefühl wurde noch durch das dem Sujet angemessene „kehlige“ Baritonsolo von Wolfgang Dürr verstärkt – zum Mitklatschen, wie in den Baptistengemeinden im amerikanischen Süden üblich, kam es dann allerdings doch nicht.
Der Programmteil wurde wiederum vom Chor allein mit „Inmitten der Nacht“ (Satz: Hermann Müllich) beschlossen, einer echten harmonischen und rhythmischen Herausforderung, die vom jetzt perfekt „eingesungenen“ Chor glänzend gemeistert und mit entsprechendem Beifall bedacht wurde. Mit dem Orgelnachspiel von Ralf Sach – dem vierten Satz aus dem Orgelkonzert von Georg Friedrich Händel, einem virtuosen Allegro – endete das Konzert.
(Teckbote vom 10.12.2008)

Wer auf einer viertägigen Fahrt in das Ruhrgebiet und dessen nähere Umgebung sich auf rußgeschwärzte Kohlezechen mit rauchenden Schloten eingestellt hatte, wurde in mehrfacher Hinsicht angenehm überrascht.
Den 40 Teilnehmern, die Karl-Otto Alpers, der Vorsitzende des „Fördervereins Kirchenmusik unter Teck“ begrüßen und mit historischen Hintergrundinformationen durch das Programm führen durfte, boten sich auch gepflegte Grüngürtel und Flussauen sowie Parkanlagen mit Schlössern und Burgen. Vor allem aber über zehn Orgeln, denen das Hauptinteresse der traditionellen Jahresausfahrt galt.
Vorgeschlagen und ausgewählt hatte diese Instrumente der Kirchheimer Bezirkskantor Ralf Sach, der im Zielgebiet der Orgelfahrt geboren wurde und dort seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Diese Orgeln für die Vereinsmitglieder vorführen und spielen zu können, war für ihn somit ein Heimspiel im besten Sinne des Wortes.
Dass nur eine der vorgestellten Orgeln aus der Zeit vor 1900 stammt, ist in der Geschichte der Region begründet. Um die Wende zum letzten Jahrhundert entstanden im Zug des Kohleabbaus viele Arbeitsplätze, die große Zuwanderungen vor allem aus östlichen Gebieten zur Folge hatten. Es wurden Kirchengemeinden gegründet, neoromanische oder neogotische Kirchen gebaut und diese häufig mit neobarocken Orgeln im Sinne der „Orgelbewegung“ ausgestattet. Die Zerstörungen insbesondere im zweiten Weltkrieg machten es dann erforderlich, vorhandene Orgeln entweder verfallen zu lassen oder mit erheblichen finanziellen und bis heute andauernden Anstrengungen zu restaurieren oder durch neue zu ersetzen. So wird verständlich, dass die meisten der besuchten Instrumente ihr heutiges Klangbild erst den letzten beiden Jahrzehnten verdanken.
Ralf Sach bereitete es sichtlich Freude, durchwoben mit individuellen biographischen Erinnerungen die Vereinsmitglieder durch diese so entstandene Klangvielfalt der westfälischen Orgellandschaft zu führen.
Zum Auftakt stand in der Christuskirche Recklinghausen ein Instrument im Mittelpunkt, das 1960 von Paul Ott, einem Vertreter der Orgelbewegung gebaut wurde. Dem barocken Klangideal nachempfunden überzeugte es mit klarem, hellem Klang. Einer spontanen Idee folgend setzten Bezirkskantor Ralf Sach an der großen Ott-Orgel und Kirchenmusikdirektor Ernst Leuze an der kleinen Führer-Orgel von 1967 zu einem genialen Wechselspiel an. Über den gesamten Kirchenraum hinweg spielten sie sich die musikalischen Bälle gegenseitig zu. So entwickelte sich nicht etwa eine Auseinandersetzung zwischen David und Goliath, sondern ein Glanzstück musikalischer Improvisation.
Deutsche Spätromantik mit der 1909 von Franz Breil gebauten Orgel stand in der Katholischen Kirche St. Martinus in Herten-Westerholt auf dem Programm. Die Schar der Orgelkundigen war schnell gespalten. Von einem wunderbaren Instrument schwärmten die einen, andere empfanden das Klangbild bei langem Nachhall als eher dumpf und verschwommen.
Zur Tradition der Orgelfahrten gehört auch der Besuch kleiner Kirchen mit kleinen Orgeln. In der Friedenskirche in Selm wird der Besucher überrascht durch originelle alte al secco-Malereien, vor allem aber durch die von der Orgelbaufirma Friedrich Fleiter mit nur einem Manual und fünf Registern gebaute Orgel – klein aber fein und den Kirchenraum durchaus füllend.
Als wahres Kleinod erwies sich die Dorfkirche in Bochum-Stiepel. Beeindruckend die Fresken aus dem 12. bis 16. Jahrhundert ebenso wie die 2004 von Harm Kirschner im norddeutschen Stil erbaute Orgel mit einem strahlenden Klang, aus dem viele wunderschöne Flöten besonders herausragen.
Zum vorläufigen und glanzvollen Höhepunkt der Reise wurde in der Evangelischen Kirche Essen-Werden die dortige Orgel aus dem Jahr 1900. Nicht in erster Linie deshalb, weil die Erbauerfirma E.F.Walcker aus Ludwigsburg landsmannschaftliche Empfindungen bei der schwäbischen Reisegruppe geweckt hätte und erst recht nicht deshalb, weil die Möglichkeit bestand (und auch genutzt wurde), auf dem Kirchenstuhl des früheren Mäzens Alfred Krupp Platz zu nehmen. Vielmehr überzeugte die Walcker-Orgel mit ihrer romantischen Disposition als in sich sehr stimmiges Instrument mit vollem, weichem und warmem Klang. „Traumhaft“ – so schwärmte auch Ralf Sach und führte mit dem letzten Satz aus Mendelssohns erster Sonate das ganze Spektrum von den leisesten Tönen bis zur vollen Wucht dieser Orgel vor. Geldmangel – so beklagenswert er immer ist – hat hier immerhin dazu geführt, dass ein altes Instrument weitgehend original erhalten geblieben ist.
Aus der Jahrhundertwende, ein Jahrhundert später, boten sich mehrere Orgeln zum Vergleich an: die 1983 von Alfred Führer in Lüdinghausen gebaute Orgel mit zartschwebenden Flöten, drohenden Prinzipalen und einem jubilierenden Tutti – die von der Werkstatt Gebr. Stockmann 1998 restaurierte Orgel in St. Marien Lünen, die klar und transparent vom Pianissimo bis zum Fortissimo alles bewältigt mit einem hellen Klang in einer hellen Kirche – bis zur Orgel von Herbert Hey von 2001 in der Christuskirche Alt-Oberhausen, die sich klanggewaltig, allerdings mit beängstigend umwerfendem Winddruck entfaltet.
Nachdem in der Stiftskirche Cappenberg zunächst dem berühmten Cappenberger Kopfreliquiar von Kaiser Friedrich Barbarossa die angemessene Referenz erwiesen worden war, erlebte man dort die älteste Orgel der Reise – 1788 von Caspar Melchior Vorenweg erbaut. Mehrfache Restaurierungen – zuletzt durch die Firma Johannes Klais – konnten die ursprüngliche Disposition weitgehend original erhalten bzw. wiederherstellen. Die Vielfalt der Register und die volle Pracht dieser Königin der Instrumente präsentierte Ralf Sach mit Muffats selten gespielten Variationen über ein schwedisches Volkslied.
Der fulminante Abschluss der Orgelfahrt fand in der Ev.St.Marienkirche zu Dortmund statt. Dazu hatte Kantorin Andrea Bärenfänger besondere Überraschungen rund um die neobarocke, von der Firma Steinmann 1967 gebaute und 2007 von der Firma Schuke restaurierte mechanische Schleifladenorgel bereit. Im gemeinsam besuchten Gottesdienst beeindruckte Andrea Bärenfänger damit, dass dieses Instrument auch Musik aus der Romantik authentisch wiedergeben kann. Im Anschluss gab sie für die Kirchheimer Gäste ein exquisites Orgelkonzert, in dem sie zunächst – begeistert und begeisternd zugleich – „ihre“ Orgel vorstellte. Mit geschickter Hand entführte sie ihre Zuhörer dann in Klangbeispiele, wie sie um 1530 zum Zeitpunkt der ersten Orgel in dieser Kirche geklungen haben mögen. Von Paul Hofheimer bis Johann Sebastian Bach wurden verschiedene Register in den Mittelpunkt gestellt und so reizvolle Klangerlebnisse vermittelt, mit obertonreichen, aber insgesamt klaren, direkten und harmonisch ausgewogenen Aussagen bis hin zum krönenden Plenum.
Mit kulinarischen Erinnerungen an das Wasserschloss Borbeck und an ein Rittermahl in der Burg Vischering genossen die Teilnehmer die Rückfahrt durch den herbstlich gefärbten Odenwald. Ihren Dank an die Organisatoren der diesjährigen Orgelfahrt rundete dabei der nur Insidern verständliche Wunsch nach einem vereinseigenen Naviorganum ab.
(Dr. Roland Krämer im Teckboten vom 16.10.2008)

Nach drei Monaten Ruhepause erstrahlt die Orgel an der Martinskirche seit kurzem wieder in neuem musikalischem Glanz: Der erste Bauabschnitt zur Sanierung ist abgeschlossen. Am heutigen Dienstag steht die Abnahme durch den Orgelsachverständigen an.
"Man sieht von außen fast nichts", stellt Bezirkskantor Ralf Sach nüchtern fest. Für den „normalen“ Gottesdienstbesucher dürfte es deshalb auch nur schwer nachzuvollziehen sein, dass der erste Teil der Sanierung etwas über 80.000 Euro gekostet hat beziehungsweise noch kosten wird. Zur endgültigen Finanzierung fehlen noch rund 12.000 Euro. Das ist aber längst nicht alles, denn eigentlich sind noch zwei weitere, ähnlich kostenintensive Bauabschnitte nötig – unter streng musikalischen Gesichtspunkten betrachtet. Ralf Sach schätzt die Lage folgendermaßen ein: „Dieser erste Bauabschnitt hatte nur die Aufgabe, zu verhindern, dass die Orgel nicht in sich zusammenfällt. Aber es ist noch nicht viel dafür getan worden, die Orgel zu verbessern.“
Der erste Bauabschnitt war teurer als zunächst gedacht: Die ursprüngliche Kostenschätzung hatte sich auf 74.000 Euro belaufen. Um den Grund für die Steigerung zu erklären, wählt Bezirkskantor Sach einen sportlichen Vergleich: „Das war wie ein Hürdenlauf. Allerdings haben sich die Hürden erst in dem Moment aufgebaut, wo man hätte springen müssen.“ Als Beispiel nennt er die Pedalregister, deren Verstimmung bislang auf den falschen Luftdruck zurückgeführt worden war. Bei der Sanierung habe sich dann aber herausgestellt, dass die Stimmschieber in den Holzpfeifen verkeilt waren. Die Erneuerung von Pfeifen sei im ersten Bauabschnitt gar nicht vorgesehen gewesen. Weil aber das Schwellwerk bereits ausgebaut war, wäre es nicht sinnvoll gewesen, mit der notwendigen Arbeit auf eine spätere Sanierungsphase zu warten, bei der das Schwellwerk erneut auszubauen gewesen wäre.
Was sich ebenfalls als problematisch herausstellte, das waren die Materialien, die beim Bau der Martinskirchenorgel seit den 1960er-Jahren verwendet wurden. „Viele dieser Materialien waren gar nicht auf ihre Langzeitwirkung hin überprüft worden“, erzählt Ralf Sach und bringt als Beispiel den Leim: „Die Barockbaumeister haben ihren Leim noch selbst angerührt.“ Die Rezepturen seien nicht überliefert worden, und im 20. Jahrhundert habe eben handelsüblicher Leim aus Massenproduktion zur Verfügung gestanden. Ergebnis: Vielfach waren zwar die Ventile und die Beläge noch intakt, „aber der Kleber hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst“. Bei der jetzigen Sanierung seien natürlich andere Materialien verwendet worden, „von denen man hofft, dass sie Ruhe geben“. Ob sie das aber wirklich tun, das werde sich erst im Lauf der Jahre zeigen.
Was sich allerdings jetzt schon zeigt – sichtbar und hörbar –, das ist eine neue Spielfreude des Organisten. „Es macht einfach wieder Spaß zu spielen“, sagt Ralf Sach und lobt insbesondere den gleichmäßigen Tastendruck, den es so in der Vergangenheit nicht mehr gegeben hatte. Gleiches gelte für die Pedale: „Sie sind schwer zu drücken, aber es macht mehr Spaß. Man fühlt jetzt, was man tut.“ Was an den Tasten deutlich ins Auge sticht, das sind die neuen Beläge. Sie waren dringend nötig gewesen, denn vor allem an den unteren beiden Manualen hatten die alten Beläge bereits begonnen, sich von den Tasten zu lösen.
Um die Martinskirchenorgel weiter voranzubringen, wären wie gesagt noch zwei Bauabschnitte nötig. Beispielsweise müsste die Orgel mit einer elektronischen Setzeranlage ausgestattet sein. Eine solche Anlage erlaubt es, bestimmte Klangfarben, für die mehrere unterschiedliche Register nötig sind, voreinzustellen. Auf Knopfdruck lässt sich diese Einstellung abrufen, ohne dass der Organist die Register einzeln umstellen muss. „Ab 30 Registern kommt eine Orgel heute nicht mehr ohne Setzeranlage aus. An der Martinskirche habe ich aber rund 80 Register. Eine solche Registerfülle ist ohne Setzeranlage kaum zu nützen.“
Die Vorbereitungen für eine spätere elektronische Setzeranlage wurden bereits getroffen, die Knöpfe sind installiert. Die alte mechanische Setzeranlage, die nie richtig funktioniert hat, ist außerdem komplett entfernt worden. „Vieles von dem, was im ersten Bauabschnitt gemacht wurde, wäre sinnlos, wenn es jetzt nicht mehr weitergeht“, resümiert Bezirkskantor Sach. Wie und vor allem wann es weitergeht, hängt wesentlich davon ab, wie schnell die fehlenden 12.000 Euro für den ersten Abschnitt zusammenkommen.
Die Kirchengemeinde ist in diesem Fall auf Spenden angewiesen. Ralf Sach ist sich durchaus bewusst, dass auch bei der Kirche selbst dringender Sanierungsbedarf besteht: „Das muss man im Gesamtzusammenhang betrachten. Wenn die Kirche einstürzt, nützt es nichts, eine tolle Orgel zu haben.“
Trotzdem ist der Kantor überzeugt, dass es einen bestimmten Personenkreis gibt, der bereit ist, speziell den Orgelbau an der Martinskirche durch Spendengelder zu unterstützen: „Das zeigt sich regelmäßig bei der Orgelmusik zur Marktzeit. Da kommen die Leute von weither in die Martinskirche.“
Ein weiteres langfristiges Ziel Ralf Sachs ist es, ein Forum ins Leben zu rufen, bei dem es um die Rolle der Musik im Gottesdienst gehen soll. Seine Position dabei ist eindeutig: „Bach-Kantaten gehören nicht in die Stadthalle oder in die Liederhalle. Das ist liturgische Musik, die zum Gottesdienst gehört.“
(Teckbote vom 29.04.2008)

Mit der Gegenüberstellung eines „späten“ Schumanns und eins „frühen“ Bachs erfuhren nicht nur zwei verhältnismäßig selten gespielte Werke ihre Würdigung, die Programmfolge konnte zudem einen historischen Bogen von rund 150 Jahren spannen.
Die Welt des Schumann-Requiems, das wurde den Hörern in der fast vollbesetzten Martinskirche schnell klar, ist nicht einseitig von Schrecken und Tod gezeichnet, vielmehr begegnet ein nuanciertes, lyrisches Klangkolorit, das nicht zuletzt vom Schwäbischen Kammerorchester - ein gerade auf dem Gebiet des romantischen Repertoires äußerst versierter Klangkörper - farbig und geschmackvoll in Szene gesetzt wurde.
So konnte sich auch der hervorragend agierende Chor in der Martinskirche bereits im „Te decet hymnus“ in einen mitreißenden melodisch-motivischen Überschwang steigern, bevor er sich dem anschließenden, donnergrollenden „Dies Irae“ mit beeindruckender dramatischer Qualität widmete.
Nicht mehr dramatisch erwies sich die Episode des „Tuba Mirum“ - dort ist von der zum Jüngsten Gericht rufenden Posaune die Rede - , die dank der Mitwirkung der Kirchheimer Stadtkapelle zu einem zwar kurzen, aber umso eindringlicher auflodernden Fanal geriet.
Exemplarisch für die durchweg erstklassige Leistung der vier Gesangssolisten Friederike Hoffmann (Sopran), Julia Heigl (Alt), Johannes Petz (Tenor) und Matthias Heigl (Bass) sei die Interpretation des „Benedictus, qui venit“ heraus gegriffen, deren auf äußeren Effekt völlig verzichtende, tief empfundene Innerlichkeit wohl mit zu den nachhaltigsten Eindrücken des Konzerts gehören mag.
Eindrucksvoll erwiesen sich die Darbietungen der Chorfugen in der Bachkantate "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir", insbesondere der Schlussfuge „Und er wird Israel erlösen“, bei denen polyphone Dichte und klangliche Transparenz Hand in Hand gingen. Wie von selbst schälte sich aus der klanglichen Fülle die zeittypische musikalische Rhetorik heraus: Seufzer-Figuren, melismatisches Flehen oder die als von der diatonischen Ordnung abweichende, von Bach chromatisch als „passus duriusculus“ behandelte „Sünde“.
Formaler Symmetrie folgend, steht zwischen den Chören der Kantate jeweils ein Solo mit einer Choralstrophe. Im Arioso „So du willst Her“ begeisterte Matthais Baur im Verbund mit einer virtuosen Solo-Oboe mit seinem klangschönen, geschmeidigen Bass, während die Arie „Meine Seele wartet“ sehr von Johannes Pez‘ schlankem und beweglichem Tenor profitieren konnte
(Teckbote vom 25.03.2008)

Letzten Montag haben die ersten aufwändigen Sanierungsarbeiten an der Martinskirchenorgel begonnen. Für beinahe vier Monate wird dieses monumentale Instrument deshalb schweigen müssen. In diesem ersten Bauabschnitt geht es vorrangig um den Austausch materialmüder Verschleißteile wie Ventilfedern oder Trakturwinkel, die in den letzten Wochen und Monaten das Spiel auf der Orgel mehr und mehr zu einem Glücksspiel haben werden lassen, weil die Organisten dieser Orgel bei Konzerten oder Gottesdiensten stets mit unerwünschten Dauertönen oder nicht mehr zurückspringenden Tasten rechnen mussten. Bezirkskantor Ralf Sach gab zu, dass er in letzter Zeit wohl weitaus mehr Zeit in als vor der Orgel verbracht hat, um immer wieder auftretende Störungen oberflächlich zu beseitigen.
Stellenweise zeigt sich der Zustand der Orgel sogar als durchaus riskant, weil einige der größeren Pfeifen durch eine unzureichende Befestigung in sich instabil geworden sind, und umzufallen drohen, wie die mit den Renovierungsarbeiten beauftragte Orgelbaufirma Mühleisen aus Leonberg zusammen mit dem Orgelsachverständigen Prof. KMD Volker Lutz, feststellte. „Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als um den Bestandserhalt dieser Orgel. Noch weitere Jahre des Wartens hätten sicher irreparable Folgen für dieses komplizierte und sensible Instrument gehabt“, so Bezirkskantor Sach. So seien im momentanen ersten Bauabschnitt der Renovierungsarbeiten noch nicht einmal über technische Modernisierungsmaßnahmen oder gar Klangverbesserungen gesprochen worden. Dies sei zunächst noch Zukunftsmusik und davon abhängig, inwieweit die derzeitigen Arbeiten am Bestandserhalt der Orgel von der Kirchheimer Bevölkerung finanziell mitgetragen würde. Immerhin fehlten für die Zukunftssicherung dieses weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Instruments noch annähernd 18.000 Euro.
Daneben seien allerdings auch erfreulicherweise bereits namenhafte Spenden eingegangen, wofür die Martinskirchengemeinde ausdrücklich dankt. Über den Wert der durch die Orgelbaufirma Rensch im Jahre 1960 gebauten Martinskirchenorgel lässt Peter Weimer von der Firma Mühleisen aber keine Zweifel aufkommen. „Orgeln aus dieser Zeit und dieses Kalibers findet man im ‚Ländle‘ immer weniger. Sie gehört fast unter Denkmalschutz gestellt.“ Interessenten am Fortgang der Renovierungsarbeiten sind eingeladen, sich während der Kirchenöffnungszeiten vor Ort ein Bild zu machen. Spenden werden gerne auf folgendes Konto entgegen genommen: 48 30 06 45 bei der KSK Esslingen-Nürtingen BLZ 611 500 20. Für nähere Informationen steht Bezirkskantor Ralf Sach (r.sach@vki-kirchheim.de Tel. 93 73 77) zur Verfügung.
(Teckbote vom 17.01.2008)

Mit einem eindrucksvollen Kantatenkonzert stellte der Chor der Martinskirche mit Bezirkskantor Ralf Sach seine Qualität unter Beweis und belegte einmal mehr die exquisite Akustik des Kirchenraumes.
Bezirkskantor Ralf Sach und der Chor der Martinskirche wandelten abseits ausgetretener Pfade. Einem erwartungsvollen, zahlreich im sakralen Raum der Martinskirche erschienenen Publikum wurde am Abend des Dritten Advent mit den seltener zu hörenden kirchenmusikalischen Kompositionen, der Choralkantate "Vom Himmel hoch" von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) und der Weihnachtskantate "Der Stern von Bethlehem" von Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) ein attraktives Programm abseits ausgetretener Pfade geboten ... In ihren jeweiligen Arien "Es ist der Herr Christ, unser Gott" und "Sei willkommen, edler Gast" zeigten Kai Preußker (Bariton) und Sabine Zimmermann (Sopran) mit sensiblem Vortrag ihr hoch entwickeltes stimmliches Vermögen. Kai Preußker gefiel mit seinem kräftig volltönenden Bariton mit strahlenden, unforcierten Haltetönen auch in hoher Lage ebenso wie mit absolut sauberer Artikulation, während Sabine Zimmermann mit einschmeichelnd weicher Tongebung und reinen Spitzentönen beeindruckte ...
Ralf Sach (Orgel) und Elke Karner-Funk (Oboe) gestalteten dann, quasi als Interludium zwischen den Kantaten, mit zwei Romanzen von Robert Schumann den nächsten Programmpunkt von der Empore der Martinskirche aus. In der exquisiten Akustik der Martinskirche mischten sich hierbei Orgel- und Oboenklang hervorragend und vor allem in der gewichtigeren zweiten Romanze kam das schmachtend wehmütige Timbre der Oboenkantilenen prächtig zur Geltung ...
Der Eingangschor der Weihnachtskantate "Der Stern von Bethlehem" beschwört mit strahlendem Chorklang die Erwartung der Weihnacht ... Im sich anschließenden, feinfühlig und in sanftem Wiegenrhythmus vorgetragenen Hirtendialog zwischen Solosopran und Chor mit anrührend konzertierenden Flöten und rhythmisch heiklem Paukenpart schaffte es Ralf Sach hervorragend, Chor, Orchester und Solistin zusammenzuhalten. Bei der folgenden "Verkündigung des Engels" gelang Sabine Zimmermann mit feiner stimmlicher Leistung ein wirklich "engelsgleicher" Vortrag, insbesondere beim makellos intonierten "Christus der Herr" und auch der Chor schmetterte den Schluss dieses Stücks fast fanfarenartig heraus.
Nach dem gut gelungenen Bass-Solo "Bethlehem" mit seinen anspruchsvollen Streicher-Arpeggien als musikalischem Rankenwerk erklang in hymnischer Inbrunst mit sauberem Ineinandergreifen der einzelnen Chorteile das Chorstück "Hirten an der Krippe" ... Ein Glanzlicht an kontemplativer Innigkeit und leuchtender Harmonie war dann wieder das betörend schön intonierte folgende Sopransolo der Maria in der gelöst entrückten Stimmung der in Dur verklingenden Schlusszeile "Schlumm're süß, du göttliches Kind".
Im letzten Teil "Die Erde schweigt" wird sowohl auf der Textebene als auch in der musikalischen Ausformung das Thema des Eingangssatzes wieder aufgegriffen, womit sich der Kreis schließt. Das vom Chor hier abschließend gebotene ernergie- und tempogeladene Finale mit einem hellwach präsentierten, gewaltigen Fugato und einem fulminant heraus geschmetterten "Frohlocke, Welt" war bewundernswert. Lang anhaltender Applaus belohnte schließlich die imponierende Gesamtleistung von Solisten, Chor, Orchester und Dirigent.
(Teckbote vom 18.12.2007)
Festlicher Glanz in die Abendstunden getragen
Besinnliches zur Vorweihnachtszeit bot der Liederkranz Kirchheim mit seinem Konzert in der Martinskirche. Mit feierlicher Musik, fröhlichen Kinderstimmen und traditioneller Melodien trugen die Akteure einen festlichen Glanz in die Abendstunden des zweiten Advents. Bevor schließlich die Zuhörer auseinander gingen, setzte sich Bezirkskantor Ralf Sach, der die Sänger bei vielen Stücken begleitete, noch einmal ans Manual, um den Abend mit der Sonate VI "Pastorella" von Franz Xaver Schnizer stimmig ausklingen zu lassen.
(Teckbote vom 12.12.2007)