Pressespiegel zu Musikveranstaltungen in der Martinskirche 2005-2008

Er denkt an sein Erbarmen

Evangelisches Bezirkskantorat mit hochklassigen Konzerten

Festliche Chormusik zum Advent

Walcker weckt landsmannschaftliche Gefühle

Heidelberger Jazzchor in der Martinskirche

Neues Unterrichtsfach "Orgel" an der Musikschule

Fast aus dem Leim gegangen

Konzert Stadtkapelle 

Später Schumann, früher Bach

Orgelrenovierung hat begonnen

Frohlocke, Welt, dem Tod entwunden

Festlicher Glanz in die Abendstunden getragen

Fünf badische Orgeln im direkten Vergleich

Demokratische Prinzipien und gemeinsamer Orchesterklang 

Orgelmusik zur Marktzeit

Alte und neue Musik auf der Martinskirchenorgel

Religiöse Andacht mit ergreifender Tiefenwirkung

Entspannte Konzertatmosphäre

Kinderchor Alleenschule

Glanzvoller Auftakt - Bezirkskantor Ralf Sach feiert Einstand

Mit Weihnachten ins neue Jahr

Weihnachtskonzert Liederkranz

 

 

"Er denkt an sein Erbarmen"

Festlicher Glanz beim Oratorienkonzert in der Martinskirche

Kirchheim. Unter dem Motto „Er denkt an sein Erbarmen“ stand das Weihnachtskonzert des Martinskirchenchors unter der Leitung von Bezirkskantor Ralf Sach in der Martinskirche. Die programmatische Aussage ist einem Canticum aus dem Lukas-Evangelium entnommen, das allen Magnificat-Kompositionen zugrunde liegt.

Vor dem Hauptwerk des Abends erklang zunächst Max Bruchs „Die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten“, ein eher selten zu hörendes Werk, das von der Dramatik, die der Titel suggeriert, aber so gut wie nichts einlöst. Die Komposition für Sopran-solo, Frauenchor und Orchester beschwört auf der Textvorlage von Rudolf Reinick eine sechsachtelselige Naturidylle in biedermeierlich-nazarener Manier. Bruchs immer wieder bewundernswerte handwerkliche Fähigkeiten garantieren indessen das gewohnt untadelige romantische Kolorit mit Hörnerklang, feinen orchestralen Effekten und Frauenstimmen in bester romantischer Tradition – ein gefälliges Werkchen, das den meisten Zuhörern wohl eine neue Bekanntschaft vermittelte und, klangsinnig dargeboten, keine Wünsche offen ließ.

Carl Philipp Emanuel Bachs „Magnificat“ reiht sich in eine Reihe großartiger gleichnamiger Kompositionen ein. Würde und Größe, Erhabenheit und Pathos auf der einen sowie empfindsame Innigkeit und Kontemplation auf der anderen Seite geben den Rahmen dieser groß angelegten, neunsätzigen Komposition, die noch zu Lebzeiten Johann Sebastian Bachs entstand.

Besonders in den wirkungsmächtigen Ecksätzen ist die Hand des Lehrmeisters allenthalben zu spüren, und doch geht Carl Philipp Emanuel in den subjektiv Anteil nehmenden Arien neue Wege. Empfindsame Stimmungen („Suscepit Israel“, wunderschön ausgesungen von Christina Otey) und triumphierende Kraft („Fecit potentiam“, mit agilem Bariton von Thomas Scharr engagiert vorgetragen) zeugen gleichermaßen von der persönlichen Teilnahme des Komponisten.

Eine überwältigende barocke Meisterschaft im Kontrapunktischen äußert sich in diesem Werk insbesondere in der abschließenden grandiosen Doppelfuge. Hier demonstrierte der Chor der Martinskirche überschäumende barocke Sangeslust unterstützt wie beflügelt von einem Orchester, das dem musikalischen Tableau zusätzlich die kraftvolle Tiefenwirkung verlieh.

Demgegenüber steht eine frühklassische Gesanglichkeit, die häufig auf schlichten Achtel-Repetitionen aufsetzt, dafür aber vokalsolistisch umso anspruchsvoller auftritt. Hier bestachen Rüdiger Husemeyers klarer Tenor in der Triumph-Arie „Quia fecit“ ebenso wie Sabine Zimmermanns voller Sopran in der wunderschönen Arie „Quia respexit“, die kontrastierend zum pompösen Eingangschor steht und mit ihren emotional aufgeladenen Vorhalten als Repräsentantin des neuen empfindsamen Stils par excellence gelten darf.

 Wohl behütet und geleitet von der sparsamen und klaren Zeichengebung Ralf Sachs gaben glänzend aufgelegte Bläser auf der Basis temperamentvoller wie wohldosierter Paukenattacken der Aufführung den gebührenden festlichen Glanz.

(Teckbote vom 18.12.2008)

 

Evangelisches Bezirkskantorat mit hochklassigen Konzerten in der Martinskirche

In der Adventszeit wartet das Evangelische Bezirkskantorat in Kirchheim mit ganz besonderen Juwelen der Kirchenmusik auf. Gleich zwei festliche Konzerte stehen kurz vor Weihnachten in der Martinskirche auf dem Programm. Festlich wird es, wenn am Sonntag, 14.12.2008 der Chor an der Martinskirche zusammen mit einem Kammerorchester ein großes Oratorienkonzert singt. Auf dem Programm steht das "Magnificat" von Carl Philipp Emanuel Bach, dem zweitältesten Sohn des großen Johann Sebastian Bach. Das zweite Stück des Abends stammt von Max Bruch. Die von Johannes Brahms hochgelobte "Flucht nach Egypten" entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Der Textautor Rudolf Reinick begeisterte sich in dem Text für die Theologie des Buchs Jesaja.

Eine Woche später, am 21.12.2008, steht unter dem Titel "Come, sweet Love" Musik aus dem Elisabethanischen Zeitalter auf dem Programm. Zu Gast ist das renommierte Barockensemble "United Continuo Service" unter der Leitung von Jörg Meder. An dem ClaviOrganum wird Bezirkskantor Ralf Sach zu hören sein.

(Kirchheimer Echo vom 11.12.2008)

 

Festliche Chormusik zum Advent

Der Kirchheimer Liederkranz unter der kompetenten Leitung von Professor Rolf Hempel, noch verstärkt durch Sangesfreunde des „Esslinger Liederkranzes“, bot an diesem Abend musikalisch Besinnliches mit deutlich adventisch-weihnachtlichem Touch, aber auch diverse, dem jüngeren Publikumsgeschmack geschuldete Ansätze zum „Crossover“.

Bezirkskantor Ralf Sach, der sich sowohl an der Orgel als auch am E-Piano hervortat, gestaltete den Programmauftakt mit dem Einleitungssatz von Georg Friedrich Händels Orgelkonzert F-Dur. Dabei charakterisierten feine dynamische Akzentuierungen, differenzierte Registrierung und technische Brillanz der rechten Hand bei schwierigen, perlend fließenden Sechzehntelläufen sein Spiel. Die „konzertante Eröffnung“ gestaltete der Gemischte Chor im Rücken der Zuhörer von der Empore aus. Dadurch wurde zwar das optische Erlebnis etwas gemindert, doch wirkte sich die Nähe von Chor und begleitender Orgel für den Gesamtklang sicher qualitätsfördernd aus.

Auf das „Sanctus“ von Wolfgang Amadeus Mozart mit fein platzierten Orgeleinwürfen und imposantem Zusammenklang folgte mit dem „Dona nobis pacem“ aus der Krönungsmesse von Mozart in einem Satz für Chor und Orgel ein kleiner Höhepunkt des Konzertabends. Ein zwischen den einzelnen Chorstimmen und der Orgel fein abgestimmtes Wechselspiel und die saubere Bewältigung des kanonisch verschachtelten Chorsatzes waren ein besonderer Glanzpunkt.

Darauf folgte das erste instrumentale Intermezzo des Celloquartetts „Cellini“, bestehend aus vier blutjungen Cellisten der Freien Musikschule Engelberg (Michael Schmitz, Marian Wind, Valerian Cimniak und Daniel Villwock), die Landes- und Bundespreisträger bei „Jugend musiziert 2008“ waren. In „La poesia“ von ­Saverio Mercadante, „Air“ aus der Orchestersuite Nr. 3 von Johann Sebastian Bach und dem „Traurigen Lied“ von Dimitri Schostakowitsch blitzte ihr bereits erstaunlich entwickeltes tongestaltendes und technisches Vermögen nicht nur einmal auf.

Mit dem anschließenden Programmblock von sechs „Weihnachtlichen Liedern“ in „a cappella“-Satz oder in Begleitung mit E-Piano (Ralf Sach) sollten die Hörer musikalisch auf Advent und Weihnachten eingestimmt werden. Dazu erfolgte der Umzug des Chors vor den Altar frontal zum Publikum, was sich auf die Direktheit des Chorklangs günstig auswirkte.

Mit dem von Norman Luboff arrangierten „Amen“ wehte plötzlich ein Hauch von veritablem „gospel feeling“ durch den sakralen Raum der Martinskirche. Schon bei der eigenwilligen, jazzig swingenden Introduktion von Ralf Sach war man als Zuhörer geneigt, fast körperlich mit der Musik mitzugehen. Dieses Gefühl wurde noch durch das dem Sujet angemessene „kehlige“ Baritonsolo von Wolfgang Dürr verstärkt – zum Mitklatschen, wie in den Baptistengemeinden im amerikanischen Süden üblich, kam es dann allerdings doch nicht.

Der Programmteil wurde wiederum vom Chor allein mit „Inmitten der Nacht“ (Satz: Hermann Müllich) beschlossen, einer echten harmonischen und rhythmischen Herausforderung, die vom jetzt perfekt „eingesungenen“ Chor glänzend gemeistert und mit entsprechendem Beifall bedacht wurde. Mit dem Orgelnachspiel von Ralf Sach – dem vierten Satz aus dem Orgelkonzert von Georg Friedrich Händel, einem virtuosen Allegro – endete das Konzert.

(Teckbote vom 10.12.2008)

 

Walcker weckt landsmannschaftliche Gefühle

Kirchheimer Förderverein Kirchenmusik auf großer Orgelfahrt nach Westfalen - zu Orgeln im Ruhrgebiet und im Münsterland

Wer auf einer viertägigen Fahrt in das Ruhrgebiet und dessen nähere Umgebung sich auf rußgeschwärzte Kohlezechen mit rauchenden Schloten eingestellt hatte, wurde in mehrfacher Hinsicht angenehm überrascht.

Den 40 Teilnehmern, die Karl-Otto Alpers, der Vorsitzende des „Fördervereins Kirchenmusik unter Teck“ begrüßen und mit historischen Hintergrundinformationen durch das Programm führen durfte, boten sich auch gepflegte Grüngürtel und Flussauen sowie Parkanlagen mit Schlössern und Burgen. Vor allem aber über zehn Orgeln, denen das Hauptinteresse der traditionellen Jahresausfahrt galt.

Vorgeschlagen und ausgewählt hatte diese Instrumente der Kirchheimer Bezirkskantor Ralf Sach, der im Zielgebiet der Orgelfahrt geboren wurde und dort seine Kindheit und Jugend verbracht hat. Diese Orgeln für die Vereinsmitglieder vorführen und spielen zu können, war für ihn somit ein Heimspiel im besten Sinne des Wortes.

Dass nur eine der vorgestellten Orgeln aus der Zeit vor 1900 stammt, ist in der Geschichte der Region begründet. Um die Wende zum letzten Jahrhundert entstanden im Zug des Kohleabbaus viele Arbeitsplätze, die große Zuwanderungen vor allem aus östlichen Gebieten zur Folge hatten. Es wurden Kirchengemeinden gegründet, neoromanische oder neogotische Kirchen gebaut und diese häufig mit neobarocken Orgeln im Sinne der „Orgelbewegung“ ausgestattet. Die Zerstörungen insbesondere im zweiten Weltkrieg machten es dann erforderlich, vorhandene Orgeln entweder verfallen zu lassen oder mit erheblichen finanziellen und bis heute andauernden Anstrengungen zu restaurieren oder durch neue zu ersetzen. So wird verständlich, dass die meisten der besuchten Instrumente ihr heutiges Klangbild erst den letzten beiden Jahrzehnten verdanken.

Ralf Sach bereitete es sichtlich Freude, durchwoben mit individuellen biographischen Erinnerungen die Vereinsmitglieder durch diese so entstandene Klangvielfalt der westfälischen Orgellandschaft zu führen.

Zum Auftakt stand in der Christuskirche Recklinghausen ein Instrument im Mittelpunkt, das 1960 von Paul Ott, einem Vertreter der Orgelbewegung gebaut wurde. Dem barocken Klangideal nachempfunden überzeugte es mit klarem, hellem Klang. Einer spontanen Idee folgend setzten Bezirkskantor Ralf Sach an der großen Ott-Orgel und Kirchenmusikdirektor Ernst Leuze an der kleinen Führer-Orgel von 1967 zu einem genialen Wechselspiel an. Über den gesamten Kirchenraum hinweg spielten sie sich die musikalischen Bälle gegenseitig zu. So entwickelte sich nicht etwa eine Auseinandersetzung zwischen David und Goliath, sondern ein Glanzstück musikalischer Improvisation.

Deutsche Spätromantik mit der 1909 von Franz Breil gebauten Orgel stand in der Katholischen Kirche St. Martinus in Herten-Westerholt auf dem Programm. Die Schar der Orgelkundigen war schnell gespalten. Von einem wunderbaren Instrument schwärmten die einen, andere empfanden das Klangbild bei langem Nachhall als eher dumpf und verschwommen.

Zur Tradition der Orgelfahrten gehört auch der Besuch kleiner Kirchen mit kleinen Orgeln. In der Friedenskirche in Selm wird der Besucher überrascht durch originelle alte al secco-Malereien, vor allem aber durch die von der Orgelbaufirma Friedrich Fleiter mit nur einem Manual und fünf Registern gebaute Orgel – klein aber fein und den Kirchenraum durchaus füllend.

Als wahres Kleinod erwies sich die Dorfkirche in Bochum-Stiepel. Beeindruckend die Fresken aus dem 12. bis 16. Jahrhundert ebenso wie die 2004 von Harm Kirschner im norddeutschen Stil erbaute Orgel mit einem strahlenden Klang, aus dem viele wunderschöne Flöten besonders herausragen.

Zum vorläufigen und glanzvollen Höhepunkt der Reise wurde in der Evangelischen Kirche Essen-Werden die dortige Orgel aus dem Jahr 1900. Nicht in erster Linie deshalb, weil die Erbauerfirma E.F.Walcker aus Ludwigsburg landsmannschaftliche Empfindungen bei der schwäbischen Reisegruppe geweckt hätte und erst recht nicht deshalb, weil die Möglichkeit bestand (und auch genutzt wurde), auf dem Kirchenstuhl des früheren Mäzens Alfred Krupp Platz zu nehmen. Vielmehr überzeugte die Walcker-Orgel mit ihrer romantischen Disposition als in sich sehr stimmiges Instrument mit vollem, weichem und warmem Klang. „Traumhaft“ – so schwärmte auch Ralf Sach und führte mit dem letzten Satz aus Mendelssohns erster Sonate das ganze Spektrum von den leisesten Tönen bis zur vollen Wucht dieser Orgel vor. Geldmangel – so beklagenswert er immer ist – hat hier immerhin dazu geführt, dass ein altes Instrument weitgehend original erhalten geblieben ist.

Aus der Jahrhundertwende, ein Jahrhundert später, boten sich mehrere Orgeln zum Vergleich an: die 1983 von Alfred Führer in Lüdinghausen gebaute Orgel mit zartschwebenden Flöten, drohenden Prinzipalen und einem jubilierenden Tutti – die von der Werkstatt Gebr. Stockmann 1998 restaurierte Orgel in St. Marien Lünen, die klar und transparent vom Pianissimo bis zum Fortissimo alles bewältigt mit einem hellen Klang in einer hellen Kirche – bis zur Orgel von Herbert Hey von 2001 in der Christuskirche Alt-Oberhausen, die sich klanggewaltig, allerdings mit beängstigend umwerfendem Winddruck entfaltet.

Nachdem in der Stiftskirche Cappenberg zunächst dem berühmten Cappenberger Kopfreliquiar von Kaiser Friedrich Barbarossa die angemessene Referenz erwiesen worden war, erlebte man dort die älteste Orgel der Reise – 1788 von Caspar Melchior Vorenweg erbaut. Mehrfache Restaurierungen – zuletzt durch die Firma Johannes Klais – konnten die ursprüngliche Disposition weitgehend original erhalten bzw. wiederherstellen. Die Vielfalt der Register und die volle Pracht dieser Königin der Instrumente präsentierte Ralf Sach mit Muffats selten gespielten Variationen über ein schwedisches Volkslied.

Der fulminante Abschluss der Orgelfahrt fand in der Ev.St.Marienkirche zu Dortmund statt. Dazu hatte Kantorin Andrea Bärenfänger besondere Überraschungen rund um die neobarocke, von der Firma Steinmann 1967 gebaute und 2007 von der Firma Schuke restaurierte mechanische Schleifladenorgel bereit. Im gemeinsam besuchten Gottesdienst beeindruckte Andrea Bärenfänger damit, dass dieses Instrument auch Musik aus der Romantik authentisch wiedergeben kann. Im Anschluss gab sie für die Kirchheimer Gäste ein exquisites Orgelkonzert, in dem sie zunächst – begeistert und begeisternd zugleich – „ihre“ Orgel vorstellte. Mit geschickter Hand entführte sie ihre Zuhörer dann in Klangbeispiele, wie sie um 1530 zum Zeitpunkt der ersten Orgel in dieser Kirche geklungen haben mögen. Von Paul Hofheimer bis Johann Sebastian Bach wurden verschiedene Register in den Mittelpunkt gestellt und so reizvolle Klangerlebnisse vermittelt, mit obertonreichen, aber insgesamt klaren, direkten und harmonisch ausgewogenen Aussagen bis hin zum krönenden Plenum.

Mit kulinarischen Erinnerungen an das Wasserschloss Borbeck und an ein Rittermahl in der Burg Vischering genossen die Teilnehmer die Rückfahrt durch den herbstlich gefärbten Odenwald. Ihren Dank an die Organisatoren der diesjährigen Orgelfahrt rundete dabei der nur Insidern verständliche Wunsch nach einem vereinseigenen Naviorganum ab.

(Dr. Roland Krämer im Teckboten vom 16.10.2008)

 

„Heidelberger Jazzchor“ in der Martinskirche

 Jazzformation gastiert unter dem Motto „All the things we are“

Jazz in der Kirche – Das hat immer noch Seltenheitswert. Doch warum nur? Schließlich versuchen sich immer mehr Organisten mit Orgeljazz und zeitgenössischen Kirchenkompositionen (Heinz-Werner Henze) sind ohne Swing und Bebop kaum noch vorstellbar. Selbst der „Erfinder“ des Scatgesangs, Cab Calloway, soll damit die akustischen Möglichkeiten eines Kirchenraums ausprobiert haben. Dennoch begann der Heidelberger Jazzchor bei seinem Konzert am letzten Samstag in der Martinskirche beinahe entschuldigend mit zwei zahmen Spirituals. „Eine Reverenz an den Kirchenraum“, wie der Leiter des Chores, Joachim Berenbold, beteuerte. Glücklicherweise war diese anfängliche Schüchternheit aber nur von kurzer Dauer.

Spätestens mit Auftreten der Mannheimer Dozentin für Jazzgesang, Nicole Metzger, war dem Publikum klar, wohin die Reise dieses Konzerts hinfort gehen sollte. Mit sagenhaft sonorer und grooviger Stimme provozierte sie bei „Easy Way out“ von Bill Evans jeden musizierenden Beteiligten zu eigenem kompromisslosen Gestaltungswillen. Der Funke sprang über. Die nach eigenen Angaben „wahren Söhne Mannheims“, das Jazztrio „Tripodé“, gestaltete sich zunehmend als ebenbürtiger Wettstreitpartner, der vom Dixie-Blues „Up a Leazy River“ bis hin zum Latin-Funk „You need help“ Jazz vom Feinsten bot, wobei vor allem Pianist Volker Engelberth in genial schludriger Manier die Tasten tanzen ließ. Selbst seine mangelnde Beherrschung des Notenblattsalats („Warum nur müssen Pianisten immer die meisten Noten zugeschoben bekommen?“) gerieten zu unfreiwilligen Glanzpunkten der Veranstaltung. Die Noten schienen ihn wirklich zu stören, denn erst im reinen „Free-Style“ war er kaum noch zu toppen.

Beinahe vergaß man bei diesem Konzert, dass es noch einen musikalischen Leiter gab, der das Kunststück fertig zu bringen hatte, die völlig autark und beweglich jazzenden Solisten mit der geschlossenen Klanggruppe des Chores zu verbinden. Doch getreu dem Motto Franz Liszts, der beste Dirigent sei gerade jener, der kaum auffalle, hielt Joachim Berenbold jederzeit dezent die Fäden in der Hand. Der höllisch schwere Scatgesang bei „It’s Bebop“ von Kirby Shaw geriet unter seinem Augenzwinkern-Dirigat zu einem präzisen und dennoch groovigem Beispiel dafür, wie auch eine Chorgruppe unter kompetenter Leitung zu einem beinahe selbstständigen und improvisierenden Gesang finden kann.

Mit den beiden Klassikern „You are so beautiful“ und „Somewhere over the rainbow“, beide a capella musiziert, bewies die Heidelberger Chorformation ebenso ihre beeindruckenden klanglichen Möglichkeiten, wobei Solistin Nicole Metzger mal dezent, mal sonor für den notwendigen Klangverbund sorgte. Für die stetig mitklatschende und schnipsende Zuhörerschaft wurde insgesamt ein überzeugender Abend geboten, der bewies: Jazz und Kirche passen sehr gut zusammen. Als „Haar in der Suppe“ blieb lediglich die teils ausufernden Liedansagen zwischendurch. Vielleicht wäre ein gedrucktes Programm doch hilfreicher gewesen. Doch das nur am Rande…

(Teckbote vom 14.10.2008)

 

Neues Unterrichtsfach "Orgel" an der Musikschule

Kooperation zwischen der Musikschule und dem Ev. Kirchenbezirk Kirchheim

Ihrer Majestät, der „Königin der Instrumente“ mangelt es zunehmend an Bereitwilligen, die sich in ihren „Dienst“ stellen möchten. Ursachen dafür gibt es viele. Natürlich ist die Pfeifenorgel kein Instrument fürs behaglichen Wohnzimmer. Und noch weniger ein tragfähiges und leicht bei sich zu führendes wie eine Flöte oder Geige. Dennoch scheint die Faszination für das „Instrument der Instrumente“ ungebrochen. Bezirkskantor Ralf Sach berichtet von zahlreichen Führungen für Schulklassen und Kindergärten, bei denen die kleinen und großen Besucher  noch Monate später von ihren dabei gewonnenen Erkenntnissen beeindruckt berichten.

Neben der Tatsache, dass alle bedeutenden Komponisten von Mozart über Schumann bis hin zu Andrew Lloyd Webber die Orgel als musikalisches „Maß aller Dinge“ betrachteten, gibt es in der Ev. Kirche zunehmend das Problem, dass es bei Gottesdiensten und musikalischen Angeboten immer mehr an kompetenten Organistinnen und Organisten mangelt, trotz der nicht zu vernachlässigenden finanziellen Einträglichkeit dieser wichtigen Aufgabe. Ralf Sach hat deshalb zusammen mit Musikschulleiter Thomas Arnold ein Konzept entwickelt, mit dem bei jungen Klavierschülerinnen und –schülern verstärkt das Interesse für die Kirchenorgel geweckt werden soll. In erster Linie geht es dabei natürlich zunächst darum, die allgemein vorhandene Hemmschwelle für dieses Instrument zu senken. Andererseits aber auch, deutlich zu machen, dass sich organistische Kenntnisse unbedingt fruchtbar auf andere Tasteninstrumente auswirken.

Doch nicht nur die Gewinnung neuer Nachwuchsorganisten ist Ziel der verstärkten Kooperation zwischen der Musikschule und dem Ev. Kirchenbezirk. Es geht auch darum, Kinder und Jugendliche wieder gezielt mit dem „Kulturraum“ Kirche und Kirchenmusik in Verbindung zu bringen. Diese Entwicklung hat bereits vor zwei Jahren begonnen, als Mitglieder der Musikschulchöre unter der Leitung von BZK Ralf Sach bei einer Aufführung von Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion in der Martinskirche mitwirkten. Und auch der Stabwechsel bei der Verantwortung für den Jugendchor und das „Jungen Vokalensembles“  der Musikschule von Bertram Schattel zu Ralf Sach ist ein wichtiger Teil dieser Entwicklung. Zukünftig werden zudem vermehrt musikalische Angebote der Musikschule in der Martinskirche stattfinden. Ralf Sach hegt die Hoffnung, dass dazu auch künftig Klassenvorspiele des Unterrichtsfachs „Orgel“ zählen werden. 

Für Thomas Arnold ist der Ev. Kirchenbezirk ein wichtiger Partner bei der Bündelung der musikpädagogischer Ziele in der Stadt. Gleichzeitig zeigt er sich erfreut, mit der Orgel den krönenden Schlussstein im vielfältigen Angebot der Musikschule setzen zu können. „Wenn wir den Zugang zu diesem Instrument  erleichtern wollen, so ist die durchaus auch in materieller Hinsicht zu verstehen“, so Arnold. Aus diesem Grund wurde auch speziell für die Kirchenorgel ein besonders günstiges Schulgeld eingeführt. Es wäre somit ein günstiger Einstieg für die „hoheitliche“ Aufgabe, einer „Königin“ zu dienen.

(Teckbote vom 17.09.2008)

 

Fast aus dem Leim gegangen

Mit dem ersten Bauabschnitt ist die Orgel der Martinskirche Kirchheim erst einmal gesichert

Nach drei Monaten Ruhepause erstrahlt die Orgel an der Martinskirche seit kurzem wieder in neuem musikalischem Glanz: Der erste Bauabschnitt zur Sanierung ist abgeschlossen. Am heutigen Dienstag steht die Abnahme durch den Orgelsachverständigen an.

"Man sieht von außen fast nichts", stellt Bezirkskantor Ralf Sach nüchtern fest. Für den „normalen“ Gottesdienstbesucher dürfte es deshalb auch nur schwer nachzuvollziehen sein, dass der erste Teil der Sanierung etwas über 80.000 Euro gekostet hat beziehungsweise noch kosten wird. Zur endgültigen Finanzierung fehlen noch rund 12.000 Euro. Das ist aber längst nicht alles, denn eigentlich sind noch zwei weitere, ähnlich kostenintensive Bauabschnitte nötig – unter streng musikalischen Gesichtspunkten betrachtet. Ralf Sach schätzt die Lage folgendermaßen ein: „Dieser erste Bauabschnitt hatte nur die Aufgabe, zu verhindern, dass die Orgel nicht in sich zusammenfällt. Aber es ist noch nicht viel dafür getan worden, die Orgel zu verbessern.“

Der erste Bauabschnitt war teurer als zunächst gedacht: Die ursprüngliche Kostenschätzung hatte sich auf 74.000 Euro belaufen. Um den Grund für die Steigerung zu erklären, wählt Bezirkskantor Sach einen sportlichen Vergleich: „Das war wie ein Hürdenlauf. Allerdings haben sich die Hürden erst in dem Moment aufgebaut, wo man hätte springen müssen.“ Als Beispiel nennt er die Pedalregister, deren Verstimmung bislang auf den falschen Luftdruck zurückgeführt worden war. Bei der Sanierung habe sich dann aber herausgestellt, dass die Stimmschieber in den Holzpfeifen verkeilt waren. Die Erneuerung von Pfeifen sei im ersten Bauabschnitt gar nicht vorgesehen gewesen. Weil aber das Schwellwerk bereits ausgebaut war, wäre es nicht sinnvoll gewesen, mit der notwendigen Arbeit auf eine spätere Sanierungsphase zu warten, bei der das Schwellwerk erneut auszubauen gewesen wäre.

Was sich ebenfalls als problematisch herausstellte, das waren die Materialien, die beim Bau der Martinskirchenorgel seit den 1960er-Jahren verwendet wurden. „Viele dieser Materialien waren gar nicht auf ihre Langzeitwirkung hin überprüft worden“, erzählt Ralf Sach und bringt als Beispiel den Leim: „Die Barockbaumeister haben ihren Leim noch selbst angerührt.“ Die Rezepturen seien nicht überliefert worden, und im 20. Jahrhundert habe eben handelsüblicher Leim aus Massenproduktion zur Verfügung gestanden. Ergebnis: Vielfach waren zwar die Ventile und die Beläge noch intakt, „aber der Kleber hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst“. Bei der jetzigen Sanierung seien natürlich andere Materialien verwendet worden, „von denen man hofft, dass sie Ruhe geben“. Ob sie das aber wirklich tun, das werde sich erst im Lauf der Jahre zeigen.

Was sich allerdings jetzt schon zeigt – sichtbar und hörbar –, das ist eine neue Spielfreude des Organisten. „Es macht einfach wieder Spaß zu spielen“, sagt Ralf Sach und lobt insbesondere den gleichmäßigen Tastendruck, den es so in der Vergangenheit nicht mehr gegeben hatte. Gleiches gelte für die Pedale: „Sie sind schwer zu drücken, aber es macht mehr Spaß. Man fühlt jetzt, was man tut.“ Was an den Tasten deutlich ins Auge sticht, das sind die neuen Beläge. Sie waren dringend nötig gewesen, denn vor allem an den unteren beiden Manualen hatten die alten Beläge bereits begonnen, sich von den Tasten zu lösen.

Um die Martinskirchenorgel weiter voranzubringen, wären wie gesagt noch zwei Bauabschnitte nötig. Beispielsweise müsste die Orgel mit einer elektronischen Setzeranlage ausgestattet sein. Eine solche Anlage erlaubt es, bestimmte Klangfarben, für die mehrere unterschiedliche Register nötig sind, voreinzustellen. Auf Knopfdruck lässt sich diese Einstellung abrufen, ohne dass der Organist die Register einzeln umstellen muss. „Ab 30 Registern kommt eine Orgel heute nicht mehr ohne Setzeranlage aus. An der Martinskirche habe ich aber rund 80 Register. Eine solche Registerfülle ist ohne Setzeranlage kaum zu nützen.“

Die Vorbereitungen für eine spätere elektronische Setzeranlage wurden bereits getroffen, die Knöpfe sind installiert. Die alte mechanische Setzeranlage, die nie richtig funktioniert hat, ist außerdem komplett entfernt worden. „Vieles von dem, was im ersten Bauabschnitt gemacht wurde, wäre sinnlos, wenn es jetzt nicht mehr weitergeht“, resümiert Bezirkskantor Sach. Wie und vor allem wann es weitergeht, hängt wesentlich davon ab, wie schnell die fehlenden 12.000 Euro für den ersten Abschnitt zusammenkommen.

Die Kirchengemeinde ist in diesem Fall auf Spenden angewiesen. Ralf Sach ist sich durchaus bewusst, dass auch bei der Kirche selbst dringender Sanierungsbedarf besteht: „Das muss man im Gesamtzusammenhang betrachten. Wenn die Kirche einstürzt, nützt es nichts, eine tolle Orgel zu haben.“

Trotzdem ist der Kantor überzeugt, dass es einen bestimmten Personenkreis gibt, der bereit ist, speziell den Orgelbau an der Martinskirche durch Spendengelder zu unterstützen: „Das zeigt sich regelmäßig bei der Orgelmusik zur Marktzeit. Da kommen die Leute von weither in die Martinskirche.“

Ein weiteres langfristiges Ziel Ralf Sachs ist es, ein Forum ins Leben zu rufen, bei dem es um die Rolle der Musik im Gottesdienst gehen soll. Seine Position dabei ist eindeutig: „Bach-Kantaten gehören nicht in die Stadthalle oder in die Liederhalle. Das ist liturgische Musik, die zum Gottesdienst gehört.“

(Teckbote vom 29.04.2008)

Später Schumann, früher Bach

 

Mit der Gegenüberstellung eines „späten“ Schumanns und eins „frühen“ Bachs erfuhren nicht nur zwei verhältnismäßig selten gespielte Werke ihre Würdigung, die Programmfolge konnte zudem einen historischen Bogen von rund 150 Jahren spannen.

Die Welt des Schumann-Requiems, das wurde den Hörern in der fast vollbesetzten Martinskirche schnell klar, ist nicht einseitig von Schrecken und Tod gezeichnet, vielmehr begegnet ein nuanciertes, lyrisches Klangkolorit, das nicht zuletzt vom Schwäbischen Kammerorchester - ein gerade auf dem Gebiet des romantischen Repertoires äußerst versierter Klangkörper - farbig und geschmackvoll in Szene gesetzt wurde.

So konnte sich auch der hervorragend agierende Chor in der Martinskirche bereits im „Te decet hymnus“ in einen mitreißenden melodisch-motivischen Überschwang steigern, bevor er sich dem anschließenden, donnergrollenden „Dies Irae“ mit beeindruckender dramatischer Qualität widmete.

Nicht mehr dramatisch erwies sich die Episode des „Tuba Mirum“ - dort ist von der zum Jüngsten Gericht rufenden Posaune die Rede - , die dank der Mitwirkung der Kirchheimer Stadtkapelle zu einem zwar kurzen, aber umso eindringlicher auflodernden Fanal geriet.

Exemplarisch für die durchweg erstklassige Leistung der vier Gesangssolisten Friederike Hoffmann (Sopran), Julia Heigl (Alt), Johannes Petz (Tenor) und Matthias Heigl (Bass) sei die Interpretation des „Benedictus, qui venit“ heraus gegriffen, deren auf äußeren Effekt völlig verzichtende, tief empfundene Innerlichkeit wohl mit zu den nachhaltigsten Eindrücken des Konzerts gehören mag.

 Eindrucksvoll erwiesen sich die Darbietungen der Chorfugen in der Bachkantate "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir", insbesondere der Schlussfuge „Und er wird Israel erlösen“, bei denen polyphone Dichte und klangliche Transparenz Hand in Hand gingen. Wie von selbst schälte sich aus der klanglichen Fülle die zeittypische musikalische Rhetorik heraus: Seufzer-Figuren, melismatisches Flehen oder die als von der diatonischen Ordnung abweichende, von Bach chromatisch als „passus duriusculus“ behandelte „Sünde“.

Formaler Symmetrie folgend, steht zwischen den Chören der Kantate jeweils ein Solo mit einer Choralstrophe. Im Arioso „So du willst Her“ begeisterte Matthais Baur im Verbund mit einer virtuosen Solo-Oboe mit seinem klangschönen, geschmeidigen Bass, während die Arie „Meine Seele wartet“ sehr von Johannes Pez‘ schlankem und beweglichem Tenor profitieren konnte

(Teckbote vom 25.03.2008)

Orgelrenovierung hat begonnen

Letzten Montag haben die ersten aufwändigen Sanierungsarbeiten an der Martinskirchenorgel begonnen. Für beinahe vier Monate wird dieses monumentale Instrument deshalb schweigen müssen. In diesem ersten Bauabschnitt geht es vorrangig um den Austausch materialmüder Verschleißteile wie Ventilfedern oder Trakturwinkel, die in den letzten Wochen und Monaten das Spiel auf der Orgel mehr und mehr zu einem Glücksspiel haben werden lassen, weil die Organisten dieser Orgel bei Konzerten oder Gottesdiensten stets mit unerwünschten Dauertönen oder nicht mehr zurückspringenden Tasten rechnen mussten. Bezirkskantor Ralf Sach gab zu, dass er in letzter Zeit wohl weitaus mehr Zeit in als vor der Orgel verbracht hat, um immer wieder auftretende Störungen oberflächlich zu beseitigen.

Stellenweise zeigt sich der Zustand der Orgel sogar als durchaus riskant, weil einige der größeren Pfeifen durch eine unzureichende Befestigung in sich instabil geworden sind, und umzufallen drohen, wie die mit den Renovierungsarbeiten beauftragte Orgelbaufirma Mühleisen aus Leonberg zusammen mit dem Orgelsachverständigen Prof. KMD Volker Lutz, feststellte. „Es geht um nicht mehr und nicht weniger, als um den Bestandserhalt dieser Orgel. Noch weitere Jahre des Wartens hätten sicher irreparable Folgen für dieses komplizierte und sensible Instrument gehabt“, so Bezirkskantor Sach. So seien im momentanen ersten Bauabschnitt der Renovierungsarbeiten noch nicht einmal über technische Modernisierungsmaßnahmen oder gar Klangverbesserungen gesprochen worden. Dies sei zunächst noch Zukunftsmusik und davon abhängig, inwieweit die derzeitigen Arbeiten am Bestandserhalt der Orgel von der Kirchheimer Bevölkerung finanziell mitgetragen würde. Immerhin fehlten für die Zukunftssicherung dieses weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Instruments noch annähernd 18.000 Euro.

Daneben seien allerdings auch erfreulicherweise bereits namenhafte Spenden eingegangen, wofür die Martinskirchengemeinde ausdrücklich dankt. Über den Wert der durch die Orgelbaufirma Rensch im Jahre 1960 gebauten Martinskirchenorgel lässt Peter Weimer von der Firma Mühleisen aber keine Zweifel aufkommen. „Orgeln aus dieser Zeit und dieses Kalibers findet man im ‚Ländle‘ immer weniger. Sie gehört fast unter Denkmalschutz gestellt.“ Interessenten am Fortgang der Renovierungsarbeiten sind eingeladen, sich während der Kirchenöffnungszeiten vor Ort ein Bild zu machen. Spenden werden gerne auf folgendes Konto entgegen genommen: 48 30 06 45 bei der KSK Esslingen-Nürtingen BLZ 611 500 20. Für nähere Informationen steht Bezirkskantor Ralf Sach (r.sach@vki-kirchheim.de Tel. 93 73 77) zur Verfügung.

(Teckbote vom 17.01.2008)

"Frohlocke, Welt, dem Tod entwunden..."

Mit einem eindrucksvollen Kantatenkonzert stellte der Chor der Martinskirche mit Bezirkskantor Ralf Sach seine Qualität unter Beweis und belegte einmal mehr die exquisite Akustik des Kirchenraumes.

Bezirkskantor Ralf Sach und der Chor der Martinskirche wandelten abseits ausgetretener Pfade. Einem erwartungsvollen, zahlreich im sakralen Raum der Martinskirche erschienenen Publikum wurde am Abend des Dritten Advent mit den seltener zu hörenden kirchenmusikalischen Kompositionen, der Choralkantate "Vom Himmel hoch" von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) und der Weihnachtskantate "Der Stern von Bethlehem" von Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) ein attraktives Programm abseits ausgetretener Pfade geboten ... In ihren jeweiligen Arien "Es ist der Herr Christ, unser Gott" und "Sei willkommen, edler Gast" zeigten Kai Preußker (Bariton) und Sabine Zimmermann (Sopran) mit sensiblem Vortrag ihr hoch entwickeltes stimmliches Vermögen. Kai Preußker gefiel mit seinem kräftig volltönenden Bariton mit strahlenden, unforcierten Haltetönen auch in hoher Lage ebenso wie mit absolut sauberer Artikulation, während Sabine Zimmermann mit einschmeichelnd weicher Tongebung und reinen Spitzentönen beeindruckte ...

Ralf Sach (Orgel) und Elke Karner-Funk (Oboe) gestalteten dann, quasi als Interludium zwischen den Kantaten, mit zwei Romanzen von Robert Schumann den nächsten Programmpunkt von der Empore der Martinskirche aus. In der exquisiten Akustik der Martinskirche mischten sich hierbei Orgel- und Oboenklang hervorragend und vor allem in der gewichtigeren zweiten Romanze kam das schmachtend wehmütige Timbre der Oboenkantilenen prächtig zur Geltung ...

Der Eingangschor der Weihnachtskantate "Der Stern von Bethlehem" beschwört mit strahlendem Chorklang die Erwartung der Weihnacht ... Im sich anschließenden, feinfühlig und in sanftem Wiegenrhythmus vorgetragenen Hirtendialog zwischen Solosopran und Chor mit anrührend konzertierenden Flöten und rhythmisch heiklem Paukenpart schaffte es Ralf Sach hervorragend, Chor, Orchester und Solistin zusammenzuhalten. Bei der folgenden "Verkündigung des Engels" gelang Sabine Zimmermann mit feiner stimmlicher Leistung ein wirklich "engelsgleicher" Vortrag, insbesondere beim makellos intonierten "Christus der Herr" und auch der Chor schmetterte den Schluss dieses Stücks fast fanfarenartig heraus.

Nach dem gut gelungenen Bass-Solo "Bethlehem" mit seinen anspruchsvollen Streicher-Arpeggien als musikalischem Rankenwerk erklang in hymnischer Inbrunst mit sauberem Ineinandergreifen der einzelnen Chorteile das Chorstück "Hirten an der Krippe" ... Ein Glanzlicht an kontemplativer Innigkeit und leuchtender Harmonie war dann wieder das betörend schön intonierte folgende Sopransolo der Maria in der gelöst entrückten Stimmung der in Dur verklingenden Schlusszeile "Schlumm're süß, du göttliches Kind".

Im letzten Teil "Die Erde schweigt" wird sowohl auf der Textebene als auch in der musikalischen Ausformung das Thema des Eingangssatzes wieder aufgegriffen, womit sich der Kreis schließt. Das vom Chor hier abschließend gebotene ernergie- und tempogeladene Finale mit einem hellwach präsentierten, gewaltigen Fugato und einem fulminant heraus geschmetterten "Frohlocke, Welt" war bewundernswert. Lang anhaltender Applaus belohnte schließlich die imponierende Gesamtleistung von Solisten, Chor, Orchester und Dirigent.

(Teckbote vom 18.12.2007)

 

Festlicher Glanz in die Abendstunden getragen

Besinnliches zur Vorweihnachtszeit bot der Liederkranz Kirchheim mit seinem Konzert in der Martinskirche. Mit feierlicher Musik, fröhlichen Kinderstimmen und traditioneller Melodien trugen die Akteure einen festlichen Glanz in die Abendstunden des zweiten Advents. Bevor schließlich die Zuhörer auseinander gingen, setzte sich Bezirkskantor Ralf Sach, der die Sänger bei vielen Stücken begleitete, noch einmal ans Manual, um den Abend mit der Sonate VI "Pastorella" von Franz Xaver Schnizer stimmig ausklingen zu lassen.

(Teckbote vom 12.12.2007)

 

Fünf badische Orgeln im direkten Vergleich 
EXKURSION / Kirchheimer Förderverein Kirchenmusik unterwegs im benachbarten Landesteil

50 Teilnehmer konnte Karl-Otto Alpers, der Vorsitzende des Kirchheimer Fördervereins Kirchenmusik, zu einer Orgelfahrt nach Baden begrüßen und zugleich auf die Geschichte des benachbarten Landesteiles eingehen. Die Auswahl von fünf Orgeln für den eintägigen Ausflug lag in den Händen von Bezirkskantor Ralf Sach.

Kirchenmusikdirektor Ernst Leuze und Dekanatskirchenmusiker Thomas Specker hatten die organisatorischen Vorbereitungen zusammen mit den jeweiligen Pfarrern, Organisten und Mesnern getroffen. Erster Halt war in Karlsruhe-Durlach, wo Ulrich Hauck über den Ort und die Stadtkirche informierte. Die dortige Orgel wurde 1759 von Johann Philipp und Johann Heinrich Stumm fertiggestellt und nach einer wechselvollen Geschichte 1999 von der Orgelbaufirma Goll in Luzern restauriert und ergänzt. So sind heute in einem historisch belassenen Gehäuse barocke, romantische und überwiegend neuzeitliche Register von vier verschiedenen Orgelbauern untergebracht. Ergebnis ist eine vielseitig einsetzbare moderne Orgel universal, aber auch ohne eindeutige individuelle Profilierung.

Die Heilig-Kreuz-Kirche in Loffenau lenkt die Aufmerksamkeit der Besucher zunächst auf ihre spätmittelalterlichen Fresken aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Orgel von Eberhard Friedrich Walcker aus dem Jahr 1856 wurde 2004 saniert und in ihren Originalzustand von vor rund eineinhalb Jahrhunderten zurückgebaut. So präsentiert sie sich im Gegensatz zum Durlacher Instrument als Spezialorgel mit eindeutig romantischem Profil, dem man Mendelssohn eher anvertrauen möchte als beispielsweise Bach.

War der Vergleich zweier Orgeln am Vormittag gleichsam das Präludium, so folgte am Nachmittag die Kunst der Fuge mit der Hintereinanderreihung fulminanter Höhepunkte. Dabei lief Bezirkskantor Ralf Sach, der alle Orgeln vorführte, zu großer Form auf. Mit sicherem Gespür stellte er zunächst die charakteristischen Register des jeweiligen Instruments vor und schloss in hinreißenden Improvisationen mit einem Klangaufbau von den leisesten Tönen bis zum entfesselten Fortissimo.

Die Kirche Sankt Marien in Gengenbach beeindruckt zuallererst durch ihre prächtige Innenausstattung, nicht zuletzt aber auch durch die Orgel. 1899 von Wilhelm Schwarz mit Kegelladen gebaut, gilt sie heute als die zweitgrößte Romantik-Orgel Badens. Bei zarten, weichen und warmen, in sich sehr stimmigen Klängen genossen die Orgelbegeisterten hier Hochromantik in Reinkultur.

Die Orgelfahrt fand ihren Abschluss in der Pfarrkirche Sankt Maria in Schramberg mit der 1844 von Eberhard Friedrich Walcker erbauten und 1995 von der Orgelbaufirma Kuhn restaurierten Orgel. Die Pedalregister stehen auf Schleifladen, die des ersten und zweiten Manuals auf Walcker'schen Kegelladen. Eine Besonderheit ist die vom dritten Manual bediente "Physharmonica", ein "vom leisesten Hauch bis zu sehr merklicher Stärke" modulationsfähiges Harmoniumregister. Aufgrund ihres in sich geschlossenen Klangkonzepts, mit dem die ganze Bandbreite von Bach bis hin zu Reger stimmig gespielt werden kann, war die Walcker-Orgel der Tagesfavorit des Bezirkskantors Ralf Sach.

Unter den mitreisenden Orgelliebhabern gingen die Meinungen allerdings auseinander. Das abwechslungsreiche und hochkarätige Programm war von interessanten Gegenpolen geprägt: Schleiflade und Kegellade Universalorgel und Individualorgel Barock, Romantik, Orgelreform und Moderne. Die Beurteilung der besuchten Orgeln bleibt allemal eine subjektive Wertung. Man war jedoch für die fachkundigen Vorführungen und Erläuterungen von Bezirkskantor Ralf Sach sehr dankbar. So wurde auch schon Vorfreude geweckt auf das Vorhaben im nächsten Jahr: eine mehrtägige Orgelfahrt nach Westfalen, der Heimat von Ralf Sach.

(Teckbote vom 10.10.2007)

 

Demokratische Prinzipien und gemeinsamer Orchesterklang

Das Schwäbische Kammerorchester sorgte in der Kirchheimer Martinskirche für viel Applaus und tiefe Erkenntnisse 

Die doppelbödige und feinsinnige Ironie in der Ouverture "La Putain" von G. Ph. Telemann kann im wahrsten Sinne des Wortes nur gespielt werden, darstellen kann man sie nicht. Und das SKO spielte sie plastisch, beinahe im Sinne einer Theatergruppe, lächelnd beobachtet von seinem „Regisseur“ Matthias Baur. Auch der 2. Satz aus Hugo Distlers Cembalokonzert über das altniederländische Volkslied "Ei, du feiner Reiter" kann natürlich nur gelingen, wenn die Kommunikation zwischen Cembalo und Orchester möglichst direkt und ohne Umschweife geschieht. Ralf Sach am Cembalo glückte dieses musikalisch-rhetorische Ping-Pong-Spiel mit dem Orchester in begeisternder Weise.

Die Leitung des VI. Brandenburgischen Konzerts von Johann Sebastian Bach oblag Ralf Sach am Continuo-Cembalo, was sich als besonders günstig erwies, weil die perkussiven Begleitakkorde eine willkommene Stütze für das komplizierte Stimmengeflecht waren. Höhepunkt dieses Stücks war sicher der freie rezitativartige Schluss des 2. Satzes, den man so aufeinander abgestimmt, wie er musiziert wurde, sicher nicht hätte dirigieren können. Der aber möglich war, weil alle Ohren der Ausführenden gespannt aufeinander gerichtet waren.

Beim Michael Haydnschen Konzert für Viola, Cembalo und Streichorchester bestimmten Konzentriertheit und der feste Blick auf den Dirigenten das Aufführungsgeschehen. Beeindruckend innige Momente erfuhr dieses erstaunlich reife Werk Michael Haydns dann aber vor allem wieder in den dialogisierenden Kadenzen zwischen Bratschistin Karin Unold-Fischer und Ralf Sach am Cembalo. Die Abwesenheit eines pulsierenden Zeitschlags gaben diesen Passagen einen beinahe entrückten und entrückenden Charakter.

(Teckbote vom 17.10.2007)

 

Die Martinskirchen-Orgel vermag ein großes Publikum anzuziehen. Als die „Orgelmusik zur Marktzeit“ in eine neue Runde ging, spielten Ralf Sach (Orgel) und Bernhard Moosbauer (Violine) vor einer gut gefüllten Kirche Werke von Buxtehude und dessen Zeitgenossen.

 

(Teckbote vom 16.07.2007)

 

Mit Perotins archaischem Organum verstand es Ralf Sach, an der Orgel den geschmackvoll gebrochenen Blick des Chores auf historische Musik kongenial in sein Orgelspiel aufzunehmen. Er ließ die altertümliche Musik in den fremdesten Farben funkeln. Atemberaubend! Doch die perfekte Überraschung des Abends war dann Dialogus I über „Nunc dimittis“ von Ralf Sach. Endlich ein Komponist an der Martinskirche. Nicht nur die Komposition – fein ausgehört, wohl proportioniert, anspruchsvoll, aber freundlich – sondern auch die klangliche Umsetzung war phänomenal.

 

(Teckbote vom 18.06.2007)

 

Religiöse Andacht mit ergreifender Tiefenwirkung

Den Ausführenden gelang es, dem Ergebnis und dem Kosmos der Bachschen Musik einen Rahmen zu verleihen, welcher der Sonderstellung des Werkes auf eindrückliche Weise gerecht wurde. Es war das Konzept des Bezirkskantors Ralf Sach, in Kirchheim vorhandene Kräfte zusammenzuführen, zu bündeln und zu einem Ganzen zusammenzuschweißen. Insgesamt verlieh der beträchtliche Chor der gesamten Aufführung jedoch ohne Einschränkung die Größe und Würde, die ein solches Werk von seinen Ausführenden einfordern muss.

(Teckbote vom 10.04.2007 zur Aufführung der Matthäus-Passion von J. S. Bach)

Nichtsdestotrotz frappieren die Jahreszeiten von Joseph Haydn auch heute noch durch seine Dynamik, seine Farbigkeit und seine Lust am tonmalerischen Experiment Attribute einer gelungenen Interpretation, wie sie unter der Leitung von Bezirkskantor Ralf Sach in der Kirchheimer Martinskirche zu erleben war. In großer, spätklassischer Besetzung überzeugte die Kammerphilharmonie Rhein-Main mit einer schlanken und beweglichen Klangkultur, die wenn nötig auch mit triumphaler Geste zuzupacken wusste und den zahlreichen Hörern die für das Werk so typische Fülle an Tonmalereien fast schon greifbar veranschaulichte. Der gewohnt gut disponierte Chor der Kirchheimer Martinskirche wusste sowohl die schwungvolleren Chorsätze souverän darzubieten ein Jagdlied mit Waldhornklängen, ein Weinfest mit tanzenden Bauern oder auch ein Gewittersturm , als auch lyrischen Passagen in gleichermaßen schlichter wie kunstvoller Weise gerecht zu werden, zu erleben etwa beim Chorgebet "Sei nun gnädig milder Himmel", der Bitte um eine reiche Ernte.

 (Teckbote vom 30.11.2006)

 

Entspannte Konzertatmosphäre

Ich habe eine für Orgelkonzerte ganz und gar untypische Atmosphäre erlebt: Herzlicher Empfang, eine spannende – auch für Kinder kurzweilige – Auswahl der Orgelmusik und eine entspannte Atmosphäre während der Konzerte. Ein herzliches Dankeschön an Organist Ralf Sach, der mit seinem beherzten und beseelten Spiel neue und ungewohnte Blicke in die Orgelmusik-Kultur gewährte, und manchmal auch zum Schmunzeln anregte.

(Leserbrief im Teckboten vom 15.09.2006)

 

Am Keyboard begleitete Bezirkskantor Ralf Sach groovig und fingerfertig, gechillt und brillant den Liederkranz und den Kinderchor der Alleenschule beim Serenaden-Auftritt im Schlosshof.

 

(Teckbote 31.07.2006)

 

Ganzvoller Auftakt – Bezirkskantor Ralf Sach feiert Einstand

BZK Sach feierte mit Händels „Dettinger Tedeum“ und Hasses „Laudate pueri“ einen höchst gelungenen Auftakt. Beide Kompositionen leben vom Wechsel zwischen Chor und Vokalsolisten. Isabelle Müller-Cant (Sopran), Julia Heigl (Alt), Robert Morvai (Tenor) und Matthias Baur (Bass) überzeugten besonders dort, wo sie sich in den Dialog  mit dem Chor begaben. Die transparente und gut koordinierte Interpretation machte das Zuhören überaus kurzweilig. Fast unnötig zu erwähnen, dass der Chor an der Martinskirche dem beweglichen, durchsichtigen und rhetorisch fein durchdachten Instrumentalspiel des Schwäbischen Kammerorchesters um nichts nachstand. Homogener, klangschöner Stimmverbund und dynamische Vielseitigkeit zeichnen den Chor genauso aus, wie die Möglichkeit, Polyphon-Komplexes konturiert nachzuzeichnen.

(Teckbote vom 06.03.2006)

 

Das versierte Barockensemble (Martin Hermann: Flöte, Dr. Bernhard Moosbauer: Violine, Sabine Bruns: Cello, BZK Ralf Sach: Orgel/Cembalo) brachte einschlägige Triokompositionen aus der Barockzeit zu Gehör und zeigte wesentliche Elemente der barocken Spieltechnik und Verzierungskunst. Insbesondere bei der Sonata von Paolo Cima zeigte es Spielfreude und feinste Maniertechnik. BZK Ralf Sach interpretierte das „Veni redemptor gentium“ von Johann Steffens in bestechend schöner Art und glänzte anschließend im capriccioähnlichem Satz der Sonate G-Dur für Violine und obligates Cembalo von Johann Sebastian Bach.

(Teckbote zum Konzert „Mit Weihnachten ins neue Jahr“ am 08.01.2006)

 

Die Choralmotette „Lobet den Herren“ von Hugo Distler gestaltete der Liederkranz a capella nuancenreich und dynamisch fein abgestuft. Die musikalische Zusammenarbeit des Liederkranzes mit dem Kinderchor der Alleenschule zeigt bereits hörbare Früchte

(Teckbote zum Weihnachtskonzert am 07.12.2005 in der Martinskirche)