Jakobsweg 2012

Auf dem Jakobsweg von München nach Marktoberdorf


Mit dem Fahrer unseres Begleitfahrzeuges waren wir 16 Pilger, die sich am Sonntag, den 17.06. auf dem Weg nach München gemacht haben. Mit S-Bahn und IC eine schnelle Sache. In dem Moment, wo man aus dem Zug den Bahnsteig betritt, verlangsamt sich das Tempo auf 4 bis 5 Stundenkilometer und das nicht nur für die Zeit an der Arbeitsstelle oder für einen Einkauf, sondern für die nächsten 6 Tage. Dabei ist es egal, ob es ein Teilstück des Jakobweges in Deutschland oder der Camino in Spanien ist.

Was macht den Jakobsweg so interessant?
Am Anfang mag es ein ganz normales Wandern sein. Beim Gehen kommt es zum gegenseitigen Kennenlernen. Nach der Morgenandacht in einer Kirche oder am Isarufer, wie wir es am Sonntag gemacht haben, gehen die Gedanken oft weiter über den Psalm, das Gebet und die Gedankenanstöße hinaus. Auf einmal bemerkt jeder für sich, das ist viel mehr als wandern. Lieder wie, Geh aus mein Herz und suche Freud… oder, Gott gab uns Atem damit wir leben… sind „Ohrwürmer“ die einen begleiten und dankbar machen, Gott gegenüber dankbar machen. Dieses gemeinsame Erleben unter Christen, gleich welcher Konfession ist, oft mehr wert als viele Worte.

Seit neun Jahren bin ich mit einem festen Stamm von Mitpilgern immer wieder unterwegs, rund 1 000 km werden es wohl sein, aber darauf kommt es gar nicht an. Es sind die Erlebnisse auf dem Weg, die Einladungen, die Gastfreundschaft, um dann mit einem „vergelt`s Gott“ weiter zu gehen. Da war die Großbäuerin bei Abtsgmünd, die uns 20 Pilger zum besten Most, den wir je getrunken haben, eingeladen hat. Dazu noch einen Kaffee für jeden an einem großen Tisch im Hof. Da war der Wirt und Bauer, der uns an einem Feiertag, als kein Bus fuhr, seine mit seinem Traktor und Anhänger 10 km weiter fuhr, und wir so das Ziel am Abend erreichen konnten.

Ein letztes Erlebnis in diesem Jahr in Starnberg:
Unser Fahrer kam mit der Evang. Kirchengemeinde in Starnberg in Kontakt. Im Gespräch erzählte er, dass er mit einer Jakobswegpilgergruppe unterwegs sei, die um die Mittagszeit in Starnberg sein werde. „ Die sollen zu uns kommen, wir hatten gestern die Einsetzung unseres neuen Pfarrers und noch einiges vom Essen übrig“. Ein reichgedeckter Tisch mit Salat, belegten Broten und Getränke machte uns sprachlos. Nächstes Jahr geht es weiter von Marktoberdorf nach Bregenz.                                                                                                                                    Wolfgang Burlein