Konzeption Konfirmandenjahr

Verknüpfung als Lösung - Konfirmanden- und Jugendarbeit

In den letzten Jahren setze sich die Ansicht durch, dass innerhalb des Konfirmandenjahres der Jugendarbeit eine entscheidende Rolle zukommen kann. Die Jugendarbeit bringt sich aktiv ins Konfirmandenjahr mit ein. Gleichzeitig können die Konfirmanden dabei die Jugendarbeit kennen und schätzen lernen. So entstehen wesentliche Synergieeffekte zwischen Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit. Bei diesem Konzept entsteht für beide Seiten letztlich eine Win-Win-Situation. Beide profitieren davon. Beide lernen voneinander. Beide setzen sich füreinander einn. Beide übernehmen Verantwortung füreinander.

 

Die Jugendlichen, die Konfirmanden stehen im Mittelpunkt. Konfirmanden- und Jugendarbeit begleiten Jugendliche auf ihrem Weg des Glaubens, durch den Alltag und in die Zukunft. Die Bereiche der Konfirmanden- und Jugendarbeit werden verknüpft. Sie bewegen sich einen Schritt aufeinander zu, aber doch so, dass jeder Bereich hierbei seine Eigenständigkeit wahrt.

 

Für die Konfirmanden können Bezugspersonen aus der Jugendarbeit entscheidend sein. An ihnen können sie sich orientieren. Sie sind normalerweise auch näher an den Jugendlichen dran, weil sie meistens nicht sehr viel älter sind. Die Konfirmanden können so in den Lebensraum der Jugendarbeit langsam hineinwachsen. Die Jugendarbeit wie auch die Konfirmandenarbeit tragen wesentlich dazu bei und müssen die Rahmenbedingungen schaffen, dass Konfirmanden ein positives Bild von Glaube und Kirche gewinnen können und sie Heimat finden. Dabei spielt die Erfahrung von Gemeinschaft eine große Rolle.

5 Ziele der Verknüpfung Konfirmanden- und Jugendarbeit

Vom konzeptionellen Ansatz her, dass Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit miteinander verknüpft werden und also nicht mehr länger nur nebeneinander her existieren, werden nun Ziele formuliert, die es ermöglichen, dass beide Bereiche voneinander profitieren können.

 

Das erste Ziel: Das Konfirmandenjahr ist ein Highlight.

Es soll ein tolles, gelungenes und lohnendes Jahr für die Konfirmanden sein. Aus welchen Motiven sie auch immer sich zur Konfirmation entschieden haben, sie werden fröhlich empfangen und bekommen die Möglichkeit, ein rundum spannendes und ereignisreiches Jahr zu erleben. Sie sollen danach sagen können: „Mein Konfirmandenjahr war echt spitze!“ Sie sollen gerne an ihre Konfirmandenzeit zurückdenken. Ob es für den Einzelnen mehr die erlebnispädagogischen Elemente waren, die geistlichen Impulse, bestimmte Themen, die Gemeinschaft, der Spaß, die besonderen Veranstaltungen - unter dem Strich soll ein gelungenes, gutes und lohnenswertes Jahr stehen.

 

Das zweite Ziel: Erlebte und gelebte Gemeinschaft.

Etwa ein Jahr lang ist man auf einem gemeinsamen Weg. Man verbringt gemeinsam Zeit, man diskutiert gemeinsam, man entdeckt gemeinsam neue oder vielleicht auch schon bekannte Themen, man macht gemeinsame Ausflüge, man plant gemeinsame Aktionen usw. Dies alles setzt eine tragfähige und gut funktionierende Gemeinschaft voraus. Sie muss „gelingen“. Das heißt aber überhaupt nicht, dass es immer harmonisch und reibungslos zugehen soll. Im Gegenteil, vor allem bei Diskussionen z. B. können manchmal ruhig die Fetzen fliegen. Wesentlich für die Gemeinschaft ist allerdings, dass man sich als Teil davon versteht und den anderen akzeptiert und respektiert. Entscheidend ist deshalb, wie man miteinander umgeht und wie man mit dem aktuell Erlebten (z. B. Streit, Konflikte, Demotivation, Störer usw.) umgeht. Spannend wird solch eine Gemeinschaft vor allem dadurch, dass im Konfirmandenjahr ganz unterschiedliche Jugendliche aus ganz unterschiedlichen Schulen und Elternhäusern, mit ganz unterschiedlichem Bildungshintergrund und mit ganz unterschiedlichen Interessen, Wünschen, Gaben und Fähigkeiten zusammenkommen. Dieser „bunte Haufen“ muss sich finden und sich auf einen gemeinsamen Weg miteinander einlassen. Eine gelingende Gemeinschaft ist deshalb wesentlich.

 

Das dritte Ziel: Wichtige Themen und Inhalte.

Das Konfirmandenjahr ist wesentlich auch ein Jahr, in dem man vieles lernt. Inwiefern dieses Lernen aber dem Schulunterricht gleichgesetzt wird, ist eine andere Frage. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass es im Konfirmandenjahr einen ganzheitlich orientierten Unterricht geben muss. Viele benutzen deshalb auch lieber statt ‚Unterricht’ das Wort ‚Kurs’. Darin kommen wesentliche Inhalte des christlichen Glaubens vor, sozusagen die Kernstücke. Diese müssen klar geordnet und strukturiert sein. Der Klarheit der Inhalte steht die Vielfalt der Methoden gegenüber. Wichtig hierbei ist, dass sich die inhaltliche Gestaltung auf die Lebenswelt der Konfirmanden einlässt und bezieht. Das heißt auch, dass die Konfirmanden aktiv an Themen beteiligt werden und so ihr eigenständiges und selbstbestimmtes Lernen gefördert wird. Ihre Fragen, Interessen, Wünsche und auch Widerstände müssen vorkommen dürfen. Da die Konfirmanden in einem Alter sind, in dem sie auf der Suche nach Orientierung und in der Herausbildung der eigenen Persönlichkeit sind, ist es wichtig, dass klare Inhalte vermittelt werden, allerdings so, dass sich die Konfirmanden eine eigene Meinung bilden können.

 

Das vierte Ziel: Spiritualität – Gelebter Glaube.

Unter Spiritualität verstehen wir von der Martinskirche gelebten Glauben im Alltag. Glaube gehört nicht nur in die Kirche, in die Gemeinde, in eine fromme Gruppe oder nur in die Privatsphäre. Glaube will das ganze Leben heilvoll umschließen, prägen, gestalten und zur Entfaltung bringen. Wie das konkret aussehen kann, das üben wir immer wieder mit den Konfirmanden ein. Über verschiedene Rituale und praktische Übungen werden die Konfirmanden an Formen gelebten Glaubens herangeführt, aber doch so, dass jedem das Entdecken von eigenen Formen ermöglicht wird. Praktische Tipps und Hilfestellungen auf der einen Seite sind unerlässlich. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass Konfirmanden Christen im Alltag erleben können, an deren gelebtem Glauben sie sich orientieren und für sich einen Weg finden können. Darüber steht die Orientierung an Jesus Christus selbst und an seinem Wesen, Weg und Werk. Seine Wohltaten sollen überzeugend aufgewiesen werden, so dass auch eine persönliche Beziehung zu ihm entstehen und wachsen kann.

 

Das fünfte Ziel: Nachhaltige Integration von Konfirmierten in Gemeinde,  Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit.

Je besser die ersten vier Ziele gelingen und erreicht werden, umso wahrscheinlicher wird es dann, dass auch dieses fünfte Ziel erreicht werden kann. Wichtig ist, dass die Konfirmanden das Jahr über gute Erfahrungen mit Glauben, Kirche, Gemeinde und einzelnen Personen machen. Sie müssen spüren, dass sie willkommen sind und ernst genommen werden. Das kann dazu verhelfen, dass sie ihren Platz in der Gemeinde finden können. Ob in einem Jugendkreis, oder als Mitarbeiter in Jungschar, Kinderkirche, Tanzgruppe, Band oder bei Jugendgottesdiensten - entscheidend ist, dass Heimat gefunden wird. „Hier will ich bleiben!“ Ein Platz, an dem sie sich wohl fühlen, geborgen wissen und getragen erleben. Ein Platz, an dem sie sein können, wie sie sind. An dem sie ihre Gaben und Fähigkeiten entfalten können. An dem sie ihre Grenzen und Schwächen zugeben dürfen ohne Angst zu haben, deswegen unten durch zu fallen. An dem ihre Sorgen, Nöte, Ängste aber auch ihre Freuden ernst genommen werden. An dem sie sich einbringen können, mitgestalten können. An dem sich ihr Glaube und ihr Leben entfalten können. So kommen immer wieder auch frischer Wind, bunte Kreativität und neue Lebendigkeit in die Gemeinde herein.